Die Wendisch-Deutsche Doppelkirche

Wendisch-Deutsche DoppelkircheIst die "Doppel"-Kirche schon als bauliches Ensemble eine Besonderheit, so ist sie durch ihre Baugeschichte einmalig in Deutschland. Zwei separate Kirchen, zu unterschiedlichen Zeiten erbaut, Wand an Wand stehend, verbunden durch die Sakristei, unter einem Turm, der auf die Anfänge weist.
Vermutlich gegen 1300 war im Zusammenhang der Christianisierung, als die Wendengötter sterben sollten, jene Kirche erbaut worden, deren Rest den Turmsockel bildet. Im verheerenden Feuersturm am 14. Mai 1619 stürzten die Mauern der Kirche und fast die Hälfte des Turmes ein. Ein äußerst schlichter Nachfolgerbau ist erst nach dem Ende des 30-jährigen Krieges auf den Fundamenten des Vorgängers an der Turmruine errichtet worden. Schon wenige Jahrzehnte später wurde nach dem Abriss der an der Nordwand der Kirche befindlichen exterritorialen gräflichen deutschen Schlosskapelle die im Stil des Spätbarocks reich ausgestattete Deutsche Kirche unmittelbar daneben gesetzt.

 Link Rundgang in Bildern durch die Kirche

Damit wurde aus der bisherigen "Kirche für alle" die lediglich noch "Wendische Kirche" für die neun eingepfarrten wendischen Dörfer. Allerdings blieb die Wendische Kirche Hauptkirche, in welcher der Oberpfarrer amtierte.

Erst im ersten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts ging man daran, unter Einbeziehung der Turmruine einen neuen Turm aus Fachwerk und Backsteinen in Form eines unregelmäßigen Oktogons mit sogenannter "welscher" Haube zu errichten.

Um Platzprobleme zu lösen, fand in der Wendischen Kirche um 1855 ein Umbau zu ihrer jetzigen Gestalt statt (Holztonnengewölbe, Doppelemporen, Kanzelaltar), in deren Zusammenhang die Kirche 1859 ihre erste Orgel erhielt (Kaltschmidt, Stettin). Die Deutsche Kirche erhielt ihre bereits zweite Orgel 1899 (Schlag & Söhne, Schweidnitz).

Noch während des 17. Jahrhunderts zählte Vetschau zu den doppelsprachigen wendischen Städten in einem komplett wendischen Umfeld. Erst am Ende jenes Jahrhunderts begann mit dem durch sächsisch-landesherrlichen Befehl angeordneten Bau der separaten Deutschen Kirche (1690 -1694) ein bewusster Eindeutschungsprozess der Stadt und des eingepfarrten Umfeldes, der sich auch zur preußischen Zeit im 19. Jahrhundert ungemindert fortsetzte. Diese Entwicklung gipfelte im endgültigen Ende der wendischen Predigt in der Wendischen Kirche mit dem Jahr 1932. Gegenwärtig ist jährlich am Tag des offenen Denkmals ein wendischer Gottesdienst in der wendischen Kirche zu erleben. 

Konzert in der Wendischen Kirche1995 wurde der Förderverein "Wendische Kirche Vetschau e.V." gegründet. Er setzt sich seit dieser Zeit für den Erhalt der Wendischen Kirche innerhalb des Gesamtensembles ein. Ab Oktober 2000 bis 2001 fand die teilweise Sanierung des gesamten Ensembles sowie die Restaurierung der Wendischen Kirche mit Hilfe von Fördermitteln statt. Seit dem
09. September 2001 erstrahlt sie nun wieder in ihrer neoklassizistischen Ausstattung. Sie wird jetzt überwiegend als kulturelles Zentrum der Stadt genutzt, in dem Konzerte, Ausstellungen, Theater, Foren und andere kulturelle Veranstaltungen stattfinden.

Die evangelische Wendisch-Deutsche Doppelkirche ist eine Mahnung für Toleranz und friedlichem Miteinander zweier unterschiedlicher Sprachen und Kulturen - gerade in unserer heutigen Zeit.

[Dieser den historischen Entwicklungen folgende und entsprechende Text wurde verfasst vom Pfr.i.R. Klaus Lischewsky, Vetschau]

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Öffnungszeiten:
April - Oktober: 10.00 - 12.00 Uhr
14.00 - 17.00 Uhr
So, Feiertage: 14.00 - 17.00 Uhr
oder nach telefonischer Rücksprache

Kontakt:
Förderverein Wendische Kirche Vetschau e. V.
Karl-Marx-Straße 45
03226 Vetschau/Spreewald

Telefon: (03 54 33) 7 12 12
Herr Lothar Rechenberg